Respekt bekommt man nicht geschenkt! #respectnurses


Unter dem #respectnurses schildern Pflegefachkräfte bei Twitter Erfahrung mit sexuellen Übergriffen durch Altenpflegeheimbewohner, Patienten und Führungskräfte

Das Lesen dieser tweets hat mich sehr wütend gemacht.

Wenn man eine unbekannte Einrichtung betritt, hat man für einen kurzen Moment die Möglichkeit, die Atmosphäre dieser Einrichtung zu spüren. In einer Kriseneinrichtung fühlt man Desillusionierung, Demotivierung, Traurigkeit und Wut.

Diese Atmosphäre entsteht durch die Gefühle der Mitarbeiter, die sich dann automatisch auch auf die Bewohner übertragen.

Was hat das jetzt mit sexuellen Übergriffen durch Altenpflegeheimbewohner, Patienten und Führungskräfte auf Pflegekräfte zu tun? Zuerst einmal gar nichts, aber die Ursache liegt im fehlenden Respekt.

Die Definition von Respekt aus Wikipedia

Respekt bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution.

Die "Wieder-Schau" bezeichnet den Respekt der Unsicherheit des ersten Blicks. Hier bleibt das Subjekt respektvoll, indem es seine Sicht auf das Gegenüber von seinen schnellen Vorurteilen nicht allzu sehr trüben lässt. Wachsam prüft das Subjekt seine erste Hinsicht und schaut nochmals.

Fehlender Respekt bezeichnet also die Abwesenheit der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber den Menschen in der Einrichtung.

Antonyme sind Respektlosigkeit, Missachtung, Ressentiment und Verachtung.

Führungskräfte, die glauben, aufgrund ihrer Stellung auf Respekt gegenüber den Mitarbeitern verzichten zu können, sind inkompetent und gehören nicht auf diese Posten. Denn sie fördern damit Unzufriedenheit und Fluktuation. Außerdem schaden sie mit ihrer Verhaltensweise auch dem Kunden und damit dem Unternehmen, ganz zu schweigen von den Mitarbeitern.

Respekt2

Wie bekundet man als Führungskraft den Mitarbeitern in einer Altenpflegeeinrichtung Respekt?

  1. Indem man fachkompetent einen Dienstplan schreibt
  2. Indem man die Fachkompetenz der Mitarbeiter fördert und einfordert
  3. Indem man sich für die Belange der Mitarbeiter interessiert
  4. In dem man zuhört und achtsam handelt
  5. Indem man Voraussetzungen schafft, welche Mitarbeiter befähigen ihren Job zu erledigen
  6. Indem man führt

Führung bedeutet immer, das Ziel vorzugeben.

Außerdem Mitarbeiter zu respektieren und in beruflichen Belangen Respekt für Mitarbeiter einzufordern! Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Nur wenn man die 6 Punkte lebt wird man von Mitarbeitern akzeptiert.

2002 habe ich eine Heimleitung ablösen müssen, die kurze Röcke als Dienstkleidung für das Pflegepersonal angeschafft hatte. Dieser Heimleiter war als Busengrapscher bekannt und hat das gesamte weibliche Personal in Angst und Schrecken versetzt.

Die erste Woche in dieser Einrichtung habe ich damit verbracht mit jedem, wirklich jedem Mitarbeiter*in ein Gespräch zu führen. Niemand von den weiblichen Mitarbeitern konnte mir damals wirklich mitteilen, warum sie sich nicht gewehrt hatten.

Damals vor 20 Jahren habe ich das auf die Erziehung und Sozialisierung der Frauen geschoben.

2015 saß ich mit den Wohnbereichsleitern meiner damaligen Einrichtung in der Morgenbesprechung. Jeden Dienstag durften/mussten die Pflegeazubis daran teilnehmen. An diesem Dienstag berichtete eine Auszubildende, dass ihr ein Bewohner an die Brust gefasst habe. Die Wohnbereichsleitungen meinten daraufhin, dass er dies öfter täte.

Mich hat das damals so sauer gemacht, dass ich umgehend zu diesem Bewohner gegangen bin und ihn aufgefordert habe seine Sachen zu packen. In der Regel wohnen Bewohner bis zum Ende ihres Lebens in der Altenpflegeeinrichtung. Man kann so ein Vertrag unter gewissen Umständen aber auch kündigen.

Gelöst habe ich dieses Problem letztendlich, indem ich seine Enkelin angerufen habe und diese dann ihren geilen Opa ordentlich zusammenstauchen musste. Meine Ansage: "Falls das noch mal vorkommen würde, müsse sie ihren Großvater mitnehmen", hat sie dazu motiviert.

In der nächsten Morgenbesprechung wurden die Wohnbereichsleiter aufgefordert, jede noch so kleine Verfehlung zu melden. Außerdem habe ich dieses Thema mit den Bewohnervertretern des Heimbeirats besprochen. In dieser Einrichtung wurde so etwas ab diesem Zeitpunkt nicht mehr toleriert.

Das ist jetzt knapp fünf Jahre her und auch damals hatte ich gefragt, warum die Pflegekräfte diese Situation nicht schon vorher zur Sprache gebracht hatten. Wenn man den #respectnurse bei Twitter anschaut bekommt man eine Ahnung davon, warum.

Respekt bekommt man nicht geschenkt! Respekt muss man einfordern! Und das fällt immer noch vielen Pflegekräften schwer.

In meiner beruflichen Laufbahn hat man mir selten den Respekt verweigert, wahrscheinlich weil ich Respekt konsequent einfordere. Einmal allerdings ist mir auch etwas sehr Befremdliches passiert.

Mein Arbeitgeber hatte während einer Routineinspektion an meinem Firmenwagen heimlich ein GPS Gerät einbauen lassen, um unauffällig meine Arbeitszeiten zu kontrollieren.

Desillusionierung, Demotivierung, Traurigkeit und Wut waren auch meine Gefühle. Er hatte den psychologischen Vertrag gebrochen. Es gab einen sehr lauten Streit und er bekam von mir den Rat, sich seine Firma unter die Vorhaut zu schieben. (Ich war wirklich sauer)

Er hat das GPS wieder ausbauen lassen. Für mich war dieses Arbeitsverhältnis aber letztendlich doch zerrüttet und ich habe drei Monate später gekündigt.

Ein Vorgesetzter muss Respekt walten lassen!

Respekt bekommt man nicht geschenkt! Respekt muss man einfordern! Respekt muss man erkämpfen! Und wenn man ihn trotzdem nicht bekommt, wechselt man den Arbeitsplatz!

Pflegekräfte, Pflegedienstleiter, Einrichtungsleiter und „Regionale“ aus der Altenpflege, haben nach 5 Minuten am Telefon einen neuen Job!

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