Pflege interessiert keine Sau!

So Ihr Lieben. Das Buch ist da.

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Leseprobe:

Der Fisch stinkt am Kopf…

Ich sitze gemütlich auf meinem Sofa, zappe durch die Programme und da läuft schon wieder ein Bericht über einen Pflegeskandal in einem Altenpflegeheim. Es gibt Missstände, gefährliche Pflege und die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ach herrje, das Unternehmen kenne ich doch! Dort hatte ich mich vor zwei Monaten vorgestellt und sollte meine Fachkompetenz als Krisenmanagerin feilbieten! Das Unternehmen gehört einer Holding aus Übersee und betreibt 150 Altenpflegeheime in Deutschland.

Ich war dort mit dem „Deutschlandchef“ dieses Globalplayers der Altenpflege, Herrn Aalglatt, verabredet. Schon der Weg zum Vorzimmer dieses Mannes war befremdlich, denn dieses Vorzimmer befand sich im obersten Stockwerk eines Glaspalastes in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen und bei meiner Ankunft mit dem Auto wurde ich an der Einfahrt zur Tiefgarage durch eine Schleuse geleitet und eine Stimme fragte: „Wo wollen Sie hin“? Als ich daraufhin eine adäquate Antwort geben konnte, öffnete sich eine rotweißgestreifte Schranke. Was bei einer Tiefgarage nicht ungewöhnlich ist, aber dann fuhren noch ein Rolltor und danach noch ein Gittertor in die Höhe!

Einmal in der Tiefgarage angekommen und den Aufzug gefunden, wunderte ich mich darüber, dass es in einem 15-stöckigen Haus nur einen Knopf zum Erdgeschoss gab. In der Eingangshalle angekommen, fragte mich eine nette Dame nach meinem Begehr, welches auch mit meinem Namen in einer Liste festgehalten wurde. Ich bekam einen elektronischen Ausweis, der mich berechtigte, wiederum durch eine Schleuse zu gehen, um vor einem Aufzug zum Stehen zu kommen. In diesem Aufzug gab es dann auch den Knopf mit der 13 drauf. Oben angekommen stand ich wieder vor verschlossener Tür.

Nachdem ich einer Stimme mit den Worten: „Hallo, ich habe einen Termin bei Herrn Aalglatt“ geantwortet hatte, wurde mir aufgetan, und hinter einem sieben Meter langen Tresen empfingen mich Germany‘s Next Topmodels. Ich war scheinbar beim CIA gelandet und nicht in einem Altenheimunternehmen in Deutschland.

Gut, das hier bekommt kein Bewohner oder deren Angehöriger zu sehen. Wer würde auch seine demente Mutti beim CIA abgeben? Wozu dieses Ambiente? Firmengeheimnisse? Skandalgeheimnisse?

Nein, hier gab sich ein Chef die zu seinem Ego passende Umgebung. Unabhängig von seinem Kerngeschäft. Eines der Topmodels brachte mich in ein Konferenzzimmer und kurz darauf erschien der „Deutschlandchef“ des Unternehmens.

Herr Aalglatt war Anfang 50, hatte eine gesunde Hautfarbe, trug einen teuren Anzug und besaß formvollendete Umgangsformen.

Das Gespräch dauerte 90 Minuten. Zehn Minuten erläuterte ich meinen bisherigen Werdegang, 60 Minuten erläuterte er… sich. Seine Vorstellungen und seine Visionen vom Geldverdienen.

20 Minuten lang machte er mir ein Assessment Center schmackhaft, in dem ich einen Postkorb erledigen und so ganz nebenbei von einer Psychologin auf Firmenkompatibilität überprüft werde sollte. Herr Aalglatt legte Wert auf unternehmerisch denkende Führungskräfte, die sich durchsetzen können!

Das musste ich erst mal sacken lassen. Ein Unternehmen, das von seinen ca. 170 Führungskräften ein psychologisches Profil erstellt, um sicher zu gehen, dass diese alle gleichermaßen „unternehmerisch“ ticken, um die erwünschte Umsatzrendite zu erwirtschaften.

Ach herrje, Deutschland, deine Altenheime…

Ich möchte hier niemandem zu nahe treten. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder mit Unternehmen sind absolut zufällig. Herr Aalglatt heißt im wahren Leben nicht Herr Aalglatt. Ich habe sorgfältig darauf geachtet, die Namen der Personen oder Unternehmen abzuändern. Natürlich ist alles nur eine Meinungsäußerung und entspringt meiner subjektiven Wahrnehmung, aus meinem über 50 Jahre alten Gedächtnis. Sei es drum…

…Hier gab sich ein Chef die zu seinem Ego passende Umgebung. Unabhängig von seinem Kerngeschäft… Na ja… Vielleicht geben die Chefs in Übersee das so vor. Aber sicher kreiert sich ein Herr Aalglatt, seiner Macht entsprechend, seine Welt, sein Umfeld, sein Leben und seine Firma.

Auf der anderen Seite liegt eine 85-jährige Altenpflegeheimbewohnerin seit fünf Stunden in ihrem Urin und entwickelt einen Dekubitus am Steiß. Ihre Welt sieht ganz anders aus!

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