Die 3 Waffen einer Einrichtungsleitung!

Die meisten werden hier ein Kapitel über Abmahnungen, fristlose Kündigung und ähnliche Kinkerlitzchen erwarten.

Aber ganz ehrlich: Glaubst du wirklich, dass das in einer Branche, in der Mitarbeiternotstand herrscht adäquate Waffen wären?

Mitarbeiter haben auch zwei tolle Waffen: Die heißen „innere Kündigung“ und „Krankenschein“!

Nein, gute Führungskräfte sind sich über die Erwartungshaltung der Mitarbeiter im Klaren und holen ihre härtesten Waffen raus:

  • Vertrauen
  • Motivation
  • Reziprozität

Wie geht das denn mit dem Vertrauen???

Wenn zwischen zwei Menschen die Erwartungshaltung über einen längeren Zeitraum gegenseitig erfüllt wird, dann bildet sich Vertrauen.

Soll sich in einer beruflichen Situation Vertrauen zwischen zwei Menschen bilden, muss einer der beiden anfangen und einen Vertrauensvorschuss geben.

Aufgrund einer Urangst in uns ist das jedoch nicht immer einfach.

Ein dauerhafter Erfolg als Führungskraft steht auf einem Fundament aus Mitarbeiter-Vertrauen!

Um das Vertrauen seiner Mitarbeiter zu gewinnen muss eine Führungskraft:

  • Die Persönlichkeit der Mitarbeiter wertschätzen.
  • Die Leistung der Mitarbeiter wahrnehmen.
  • Bei auftretenden Schwierigkeiten unterstützend eingreifen.
  • Persönlichen Befindlichkeiten der Mitarbeiter beachten.
  • Arbeitsleistung angemessen entlohnen.
  • Für zumutbare Arbeitsbedingungen sorgen.

Hat eine Einrichtungsleitung das Vertrauen ihrer Mitarbeiter einmal gewonnen, werden diese sie auch bei personellen Engpässen nicht im Stich lassen!

Mir ist eine Situation in Erinnerung geblieben:

Norovirus in einem 80 Bettenhaus … Zehn Pflegekräfte im Krankenstand … 26 Bewohner mit Durchfall - diese Situation konnten zwei Nachtwachen natürlich nicht händeln. Die Heimleitung war über Nacht in der Einrichtung geblieben. Um 22:00 Uhr tauchten unaufgefordert sechs Pflegekräfte auf, die bis 19:00 Uhr am nächsten Tag in der Einrichtung blieben. Ausgeruht haben sich in dieser Nacht alle auf Ersatzmatratzen, die der Hausmeister auf dem Boden des Gemeinschaftsraumes im Wohnbereich ausgelegt hatte. Um 24:00 Uhr kam der Küchenleiter mit einer Ladung Pizza.

Du denkst jetzt sicherlich: Friede, Freude, Eierkuchen - Blödsinn!

Das war einmal ein Krisenhaus, in dem eine gute Einrichtungsleitung das Leben der Mitarbeiter verändert hatte!

Als Gegenleistung hat sie von den Mitarbeitern erwartet:

  • Das sie gewissenhaft nach besten Kräften arbeiten.
  • Das sie ehrlich und loyal sind.
  • Dass sie Teamspieler sind.
  • Das sie ihre fachlichen Fähigkeiten uneingeschränkt zur Verfügung stellen.

Sie hatte trotzdem nicht die Erwartungshaltung, dass Mitarbeiter niemals blau machen, nie krank oder faul sind, nie mehr rummeckern oder in einem Krisenhaus die Hygienemaßnamen immer ernst nehmen.

Denn Menschen sind so wie sie sind und ab und zu klappt halt nicht alles reibungslos.

Wir vertrauen unserer besten Freundin, unserem Lebenspartner, unseren Eltern, unseren Kindern. Wenn sie auch ab und zu unsere Erwartungshaltung nicht erfüllen, verzeihen wir und vertrauen aufs Neue.

Wir vertrauen unseren Nachbarn, unseren Lehrern, der Bäckereifachverkäuferin (zumindest in Sachen Brot) und wenn sie auch ab und zu unsere Erwartungshaltung nicht erfüllen, ist das halb so schlimm.

Wir sind durch dieses „Vertrauen geben“ in der Lage, ein entspanntes Leben zu führen.

Geben wir also auch unseren Mitarbeitern einen Vertrauensvorschuss!

In der angstbesetzten Hälfte der Altenpflegeheimbranche, in der die Umsatzrendite pervertiert wird, haben die Führungskräfte die Waffe des Vertrauens verloren. Die Mitarbeiter vertrauen längst nicht mehr und ein einmal verlorenes Vertrauen bekommt die Führungskraft nie zurück!

Motivation ein alter Zopf - Oder?

Ein Säugetier tut etwas, weil es muss,

weil es kann oder weil es ein Leckerchen bekommt.

In 20 Jahren Krisenmanagement bekam ich meine Belohnung immer von den Bewohnern und Mitarbeitern.

Wenn eine 92-jährige Bewohnerin zu mir sagte: „Goldstück, das hast du gut gemacht“ oder Mitarbeiter an meinem letzten Tag, extra aus dem Frei kamen, um mich zum Abschied zu umarmen,

dann hat mich das für die nächste Krisenkiste ordentlich motiviert.

Eine Führungskraft muss normalerweise mit ihrem Frust ihrer zerhackten Erwartungshaltung alleine fertig werden - und sie muss in der Lage sein, sich selbst zu motivieren, damit alles wie am Schnürchen läuft.

Dem gegenüber, muss sie die Erwartungshaltung der Mitarbeiter erfüllen und diese ordentlich motivieren, damit es wie am Schnürchen läuft.

In der Motivationspsychologie sagen sämtliche Theorien letztendlich, dass ein Mensch hochmotiviert wäre, wenn er seine persönlichen Bedürfnisse befriedigen könne.

Dein Job als Einrichtungsleitung ist es, die Bedürfnisse deiner Mitarbeiter zu erkennen. Was motiviert Menschen?

Primärmotivation:

Der Mensch tut etwas aus eigenem Willen, er wird aus eigenem Antrieb aktiv.

Wenn jemand beispielsweise Befriedigung fühlt, wenn er Menschen helfen kann, könnte er als Pflegekraft, Therapeut oder Entwicklungshelfer bei seiner Arbeit engagiert und sehr zufrieden sein.

Sekundärmotivation:

Der Mensch tut etwas, was ihm im Grunde keinen Spaß macht.

Er macht es als Mittel zum Zweck, um etwas für ihn wichtiges zu erreichen.

Ein Mensch, welcher für sein Leben gern vor Hawaii auf Wellen reitet, wird bei seiner Aufgabe als Müllmann, Einzelhandelskaufmann oder Busfahrer weniger engagiert sein. Er will nur das Geld verdienen, um seine Reise nach Hawaii bezahlen zu können. Wäre dieser Mensch hingegen ein Autoverkäufer auf Provisionsbasis, wäre er hoch motiviert in seinem Beruf, damit er das Geld für den Hawaii - Urlaub schneller verdient.

Was bringt diese Erkenntnis einer Einrichtungsleitung?

In der Bedürfnishierarchie nach Maslow, kommt an erster Stelle das körperliche Wohlbefinden mit Wohnung, Nahrung, Kleidung.

An zweiter Stelle kommt die Sicherheit mit Versicherung, Sparguthaben und Eigentumswohnung.

An dritter Stelle folgt die Gesellschaft mit Freundschaft, Familie und Verein.

An vierter Stelle steht die Wertschätzung mit Lob, Ansehen und Statussymbolen.

Und an letzter Stelle folgt schließlich die Selbstverwirklichung, gepaart mit Idealismus.

Wenn die Bedürfnisse einer Hierarchiestufe befriedigt sind, treten die Bedürfnisse der nächsthöheren Hierarchiestufe in den Vordergrund und werden verhaltensbestimmend.

Das bietet Hilfen für die Mitarbeitermotivierung.

Beispiel: eine Pflegefachkraft ist mit Wohnung, Nahrung und Kleidung versorgt. Sie kann ihre Versicherungen bezahlen und monatlich eine Summe zurücklegen.

Sie schaut jetzt auf ihr Privatleben mit Familie, Freundschaft und Verein.

Eine Einrichtungsleitung, welche die Lebenssituation ihrer Mitarbeiter in Bezug auf wirtschaftliche Absicherung, Neigungen, Fähigkeiten und Bedürfnisse kennt, kann geeignete Anreize auswählen, um sie zu motivieren.

Diese Pflegefachkraft würde ein perfekt geschriebener Dienstplan, welcher ein regelmäßiges „Frei“ für ihr Privatleben sichert, sehr motivieren. Sie wäre auch für Geld und gute Worte nicht mehr bereit, den Arbeitgeber zu wechseln.

In der dunklen Hälfte der Altenpflegeheimbranche ist Motivationspsychologie die Kür.

Da sind wir lange nicht mehr. Hier fehlt schon die Basis:

Kommunikation und ein guter Dienstplan.

Reziprozität bedeutet:

Gegenseitigkeit oder Wechselbezüglichkeit. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: „wie du mir, so ich dir“. Normal veranlagte Menschen fühlen sich verpflichtet, das Gute, was sie bekommen auch zu vergelten. Holst du die Mitarbeiter in dein Boot, erhöht sich die Mitarbeiterzufriedenheit, der Krankenstand und die Mitarbeiterfluktuation sinken.

Aktionstep:

Feierabend, auf dem Weg nach Haus.

Überlege dir, wie du heute Morgen in die Einrichtung gegangen bist.

Hast du vor der Tür tief durchgeatmet und an etwas Schönes gedacht? Hast dann mit einem Lächeln die Einrichtung betreten und jedem bewusst in die Augen geschaut und fröhlich begrüßt?

Führe leidenschaftlich, sei leidenschaftlich...


Gib hier deine E-Mail-Adresse ein und ich schicke dir kostenfrei mein E-

Book „Überforderung im Beruf: 7 Schritte, die alles verschlimmern oder 6

Schritte, um mit ihr fertig zu werden.“

Du kannst der Verwendung deiner E-Mail-Adresse jederzeit durch Betätigen des Abmelde-Links in von uns gesendeten E-Mails widerrufen.
Ich würde mich freuen, wenn du mir deine Meinung in den Kommentaren schreibst. Du kannst hier auch anonym antworten. Gib einfach einen Nickname an. Deine E-Mail Adresse ist nicht zu sehen.

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?