Macht (missbrauch) in der Altenpflege

Macht bezeichnet die Fähigkeit einer Person oder Gruppe, auf das Denken und Verhalten einzelner Personen, sozialer Gruppen oder Bevölkerungsteile so einzuwirken, dass diese sich ihren Ansichten oder Wünschen unterordnen und entsprechend verhalten. Wikipedia

Die Bundeszentrale für politische Bildung zitiert Max Weber: Macht ist ein politisch-soziologischer Grundbegriff, der für Abhängigkeits- oder Überlegenheitsverhältnisse verwendet wird, d. h. für die Möglichkeit der Macht-Habenden, ohne Zustimmung, gegen den Willen oder trotz Widerstandes anderer die eigenen Ziele durchzusetzen und zu verwirklichen.

Macht ist also das Instrument um Ziele durchzusetzen. Ob sie konstruktiv oder destruktiv eingesetzt wird, hängt davon ab, ob sie „Sachbezogen“ oder „Ichhaft“ eingesetzt wird.

  • „Sachbezogen“ eingesetzt bedeutet:

Gemeinschaftsfördernd, konstruktiv, Ideen verwirklichen, etwas Wertvolles oder Gutes voranbringen. Usw.

  • „Ichhaft“ bedeutet:

Gegen Gemeinschaft, über Andere erheben, Andere klein halten, Gutes zerstören. Usw.

Ohne Macht keine Veränderung!

Egal ob in Unternehmen oder in der Politik, Macht ist erforderlich um Veränderungen voranzutreiben, die im übergeordneten Interesse notwendig sind, aber nicht den Beifall aller Interessengruppen finden.

Deshalb ist es wichtig, sich der „Merkwürdigkeit Macht“ zu stellen, sie zu verstehen und sie uns nutzbar zu machen. Und dem Machtmissbrauch einen Riegel vorzuschieben!

Auswirkungen der Machtausübung in der Altenpflege

Bei der „Sachbezogenen“ Machtausübung spürt das Pflegepersonal sofort, dass die Macht konstruktiv ausgeübt wird. Wohlwollende, nutzbringende, schöpferische, sachdienliche und aufbauende Machthandhabung wird als regulierend und ordnend wahrgenommen. Führungskräfte, die ihre Macht bzw. ihre formale Kompetenz in dieser Form benutzen, kann man z. B. im Controlling an den betrieblichen Kennzahlen erkennen:

Ein niedriger Prozentsatz beim Krankenstand, im Bereich Mitarbeiterfluktuation oder eine 100% ige Personalabdeckung. (Kein Personalnotstand)

Die „Ichhafte“ Machtausübung hingegen beschwört Gegensätzlichkeiten herauf. Pflegekräfte werden in die Opferrolle gedrängt und leiden, gehen in den Wiederstand oder verlassen das Unternehmen. Andere identifizieren sich mit dem Aggressor und machen sich lustvoll und oft mit Zügen von Sadismus zu Schergen des Systems. Im Controlling sieht das folgendermaßen aus:

Krankenstand von ü. 25 Nettoarbeitstagen im Jahr und ein hoher Prozentsatz bei der Mitarbeiterfluktuation. Außerdem bricht die Personaldecke ein.

Welche Sorte Führungskräfte üben welche Art der Macht aus?

Ich schreibe in meinem Blog ja eigentlich für EinrichtungsleiterInnen, aber manchmal muss ich auch draufhauen:

Macht zieht bestimmte Persönlichkeitsstrukturen besonders an, denn Macht eignet sich besonders um Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren. Je mehr sich jemand klein und minderwertig fühlt, desto größer ist das Bedürfnis nach Überlegenheit. Dieses Bedürfnis kann zum Beispiel durch Besserwisserei oder durch "moralische Überlegenheit" oder eben durch Macht ausgelebt werden.

So eine Einrichtungsleitung ist ein „Pflegepsycho“, denn solche neurotischen Verhaltensmuster sind immer gegen die Menschen gerichtet. Diese Führungskräfte wollen sich selbst erhöhen oder durch Zwang andere auf intellektuellem, moralischem oder fachlichem Gebiet erniedrigen. Bigotterie und Klugscheißerei sind auszuhalten, aber Machtmissbrauch macht Angst.

Und die Pflegebranche ist angstbesetzt!

Macht 1

Wie macht man das mit der Macht richtig?

Konstruktive Machtausübung hingegen ist leise. Sie kommt ohne Demütigungen aus. Ohne Sieger und dadurch auch ohne Verlierer, da es ihre vornehmliche Zielsetzung ist, Dinge zu bewegen und nicht die Überlegenheit der Führungskraft zu demonstrieren. Es reicht die Weichen zu stellen und die Mitarbeiter fröhlich zu mobilisieren. Wertschätzung ist das Öl, das diesen „Motor“ schmiert.

Der leise Zwang bringt auch Pflegepersonal mit anderer Meinung dazu, einzusehen, dass es keinen Sinn hat gegen Vorgaben anzukämpfen, da die „Sache“ meist schon gelaufen ist. Es erleidet niemand eine Niederlage, weil alles ohne Kampf abläuft. Es entsteht ein brüchiger Konsens, der von Seiten des Pflegepersonals von stillen Vorbehalten geprägt ist. Diese Vorbehalte werden vom Pflegepersonal nicht ausgesprochen, jedoch muss eine gute Führungskraft diese erkennen. Sie muss diese Vorbehalte des Personals durch Kommunikation, durch Fordern, durch Fördern und durch Abverlangen eigener Ideen auflösen. (Als erstes muss man aber immer die Grundbedürfnisse der Pflegemitarbeiter nach Gerechtigkeit und sicherem „Frei“ befriedigen)

Und noch einmal: Respekt und Wertschätzung gegenüber dem Menschen an sich ist das A und O.

Willkommen in meiner Welt. Ich habe 22 Jahre lang Führungskräfte in der Altenpflege gecoacht und kaputte Altenpflegeheime aufgepäppelt.

In Wirklichkeit ist ewige Macht (auch in der Altenpflege) „Illusion“

Macht ist ja nur so lange Macht, bis jemand nicht mehr mitmacht! Oder stärker ist!

  • Der Mafiaboss kann Personen, die nicht machen was er sagt, mit Beton an den Füßen im See entsorgen. So lange, bis James Bond vorbeikommt und ihn erschießt.
  • In einer Demokratie können die Politiker und Lobbyisten den Sozialstaat abschaffen und sich bereichern. So lange, bis die Wähler wieder die Möglichkeit haben, zu beurteilen, ob sie den Umgang der Regierenden mit ihrer Macht insgesamt angemessen und konstruktiv finden oder nicht. Dann werden sie abgewählt.

In Unternehmen der Altenpflege existiert diese Form der Kontrolle in Bezug auf Macht nicht.

Aufsichtsräte üben eine Kontrolle der Macht aus, aber im Sinne der Besitzer und im Hinblick auf den Kapitalmarkt.

Die Freiheit der Mitarbeiter, das Unternehmen zu verlassen ist eine wichtige zusätzliche Kontrolle der Macht.

Man kann sich der Macht des Unternehmens entziehen. Es fällt vielen Pflegemitarbeitern nicht leicht und es kostet auch einen persönlichen Preis, aber man hat die „Macht“ zu gehen. Dieses Regulativ ist auch dann wirksam, wenn Arbeitsmarktlage, oder das Alter und die Wettbewerbsfähigkeit längst nicht allen Pflegekräften die Möglichkeit geben, zu gehen. Zumindest die besten Pflegekräfte haben allemal genügend Alternativen. Wenn aber die Leistungsträger abwandern, weil sie unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht länger arbeiten wollen, hat das einen erheblichen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens – und damit auf die "Überlebenschancen" der Führungskräfte.

Was können Pflegekräfte tun, um Machtmissbrauch entgegenzutreten?

Moment! Kurze Definition von Machtmissbrauch am Pflegepersonal, denn Einrichtungsleitungen packen im Normalfall keinen Beton an die Füße ihres Pflegepersonals und versenken diese auch nicht im See.

Druck, Bossing, Mobbing, Willkür im Dienstplan, unsicheres Frei, schlechte Bezahlung, Absprechen der Fachkompetenz, Respektlosigkeit, sexuelle Belästigung usw.

Wer unter dem Machtmissbrauch einer Führungskraft leidet, sollte nicht leise leiden, sondern laut sein und:

Das Gespräch suchen:

Nicht jeder Vorgesetzten merkt, wie sein Handeln und seine Entscheidungen bei seinen Mitarbeitern ankommen. Ein Feedback kann Vorgesetzten an dieser Stelle helfen, die Situation zu beurteilen. Dabei auf Schuldzuweisungen verzichten und die Situation aus der eigenen Perspektive schildern. Machen Sie darauf aufmerksam, dass und warum Sie sich schlecht behandelt fühlen.

Zeitnah handeln:

Wenn sich Mitarbeiter zeitnah gegen Machtmissbrauch zur Wehr setzten, kann dies helfen, dass sich im Unternehmen keine automatisierten Mechanismen etablieren.

Respektvolles, aber selbstsicheres Auftreten. Die Botschaften an den Chef sollten mit allem Respekt und trotzdem selbstsicher vorgetragen werden.

Hilfe holen:

In manchen Fällen ist es nicht möglich, direkt mit der Führungskraft zu sprechen. Dann ist es hilfreich, sich Hilfe zu holen. Dabei kann es sich um Kollegen handeln, den Betriebsrat oder um eine andere Vertrauensperson im Unternehmen.

Also, wenn z. B. der Dienstplan Mist ist, dann nicht leise ärgern, sondern der Pflegedienstleitung klar sagen, dass das so nicht geht, usw.

Es wäre naiv zu denken, dass das sofort eine Veränderung generiert, aber ohne Forderungen direkt vor Ort, ändert sich nichts.

Sobald das nicht klappt:

Nein sagen!     Nein, Nein, Nein!        „Nein“ ist die Macht der Pflegekräfte!

Nein, ich bin krank und erscheine nicht!

Nein, das verweigere ich!

Nein, keine Überstunden für mich!

Nein, ich verweigere mich!

Die Organisationsverantwortung liegt bei den „Macht-Habenden“. Die werden dafür bezahlt!

Pflegekräfte dürfen sich nicht mehr erpressen lassen, denn das zerstört die Branche.

Und den Einrichtungsleitungen möchte ich abschließend sagen:

Kommunizieren und zuhören ist das A und O. Lasst die Bürotür auf, damit Ihr ansprechbar seid. Macht Fortbildungen in Mitarbeiterführung und Dienstplangestaltung und bei Unsicherheit hilft oftmals ein persönliches Coaching.

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Schritte, um mit ihr fertig zu werden.“

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