Petition: Gewinnmaximierung der Pflegeheimbetreiber stoppen! Jetzt!

Am 7 März habe ich das Buch "Pflege interessiert keine Sau" herausgebracht. Ich beschreibe dort die Altenpflegeheimbranche aus Sicht einer Führungskraft. Ich möchte die unhaltbare Situation, in der die Altenpflege hier in Deutschland steckt, aufzeigen.

Ein Buch schreiben und aus dem Nähkästchen zu plaudern reicht jedoch nicht und deshalb habe ich, zusammen mit Martina Kausch, die im Folgenden beschriebene Petition gestartet.

Nicht nur, dass in der aktuellen Corona-Krise die Schutzausrüstungen fehlen, Mangel am Nötigsten besteht aufgrund der Gewinnmaximierung in der Altenpflege seit langem. Woran liegt das? Weil niemand kontrolliert!

Wir sind so wütend! Pflegeheimbewohner sterben wie die Fliegen!

Wir lieben die Altenpflege, die Bewohnerinnen und Bewohner in den Pflegeeinrichtungen und wir schätzen unsere Kolleginnen und Kollegen. Und dies seit mehr als zwanzig Jahren!

Und wir haben alles gesehen:

  • Kontrakturen bei Bewohnern, sodass sie auf einem DinA 1 Blatt Platz fänden...
  • BMIs von 17 aufgrund von Mangelernährung...
  • vom Heimalltag traumatisierte Bewohner...
  • 14 Tage alten Kot im Bett, an der Wand, unter den Fingernägeln...
  • einen Inkontinenzartikel, der für zwei Tage reichen musste...
  • verwahrloste demenziell veränderte Bewohner...
  • Dekubiti an jeder Stelle des Körpers, bis auf die Knochen... auch mit Madenbesatz...
  • geschlagene, fixierte, eingesperrte, sedierte Bewohner...
  • verzweifelte Angehörige, die sich nicht getraut haben etwas zu sagen, weil sie Angst hatten, dass ihre Liebsten es büßen müssten, sobald sie wieder allein wären...
  • Pflegende, ob Fachkraft oder Helfer, die desillusioniert, traumatisiert und todmüde ihren Dienst verrichteten, ohne zu wissen wann sie endlich wieder frei haben würden, mit 500 Überstunden, die sie nicht ausgeglichen bekamen...
  • Bewohner, die mit Kopfkissenbezügen abgetrocknet werden mussten, weil es keine Handtücher gab...
  • die falsche Medikation von Helfern bekamen, weil es keine Fachkräfte gab...
  • fünf Pflegende, die für 99 Bewohner auf 3 Etagen in einer Frühschicht zuständig waren...
  • Tütenkartoffelbrei mit Pulvercremspeise als Mahlzeit...
  • Wegrationalisierte Weihnachtsbäume...
  • Gefälschte Dokumentationen...
  • Überforderte Heimaufsichten...

Und alles das gab es bereits vor CORONA!

Die aktuelle Corona-Krise zeigt nun uns allen, dass einige der Alten- und Pflegeheime äußerst schlecht aufgestellt sind, wenn es darum geht die Bewohner und die Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen.

Es gibt Pflegeheime, die werden mit den Herausforderungen dieser Krise fertig und es gibt die „Anderen“.

Warum ist das so? Warum sterben Bewohner in einigen Häusern in so hoher Anzahl?

Die Privatisierung und die damit einhergehende "Selbstverwaltung in der Pflege" hat das Verhalten der Pflegeheimbetreiber intransparent und unkontrollierbar werden lassen. Denn seit Jahrzehnten steht die Gewinnmaximierung und die damit verbundenen hohen Renditen in der Pflegewirtschaft im Vordergrund, der oftmals auch aus dem Ausland handelnden Investoren.

Es wurde und wird weiterhin am Personal, an der Fortbildung und qualitativen Weiterbildung des Personals, der entsprechenden Heimausstattung mit Hilfsmitteln und an Sachkosten gespart.

Das rächt sich jetzt bitterlich.

Wenn uns diese Pandemie heute eins zeigt, dann ist es wie viel schon seit Jahrzehnten in unserem Gesundheitssystem versäumt wurde und dass falsche Prioritäten gesetzt wurden. Diese falschen Prioritäten führen jetzt zum Tod unserer Großeltern, Eltern und Partner, außerdem zur Traumatisierung der Pflegekräfte.

Covid19 ist nur ein Virus, die Ursachen der Katastrophe liegen woanders!

Herr Minister Spahn, die Bewohner müssen überall und zu jeder Zeit qualitativ gut versorgt werden!

Wir Bürgerinnen und Bürger, die vor der Entscheidung stehen, einen Angehörigen in die Obhut einer Pflegeeinrichtung zu geben, müssen die Möglichkeit haben, über zusätzliche Indikatoren die Spreu vom Weizen zu trennen.

Die „Selbstverwaltung der Pflege“ arbeitet im Verborgenen und generiert über unsere Gelder aus der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung unkontrolliert exorbitant hohe Renditen, bis zu 15%!Renditen, die an die Investoren weitergegeben werden und nicht den Bewohnern und den Pflegekräften zugute kommen.

Dazu kommen schlecht ausgebildete Führungskräfte, die allein die Auslastung der Einrichtung und somit die Gewinnmarge im Fokus haben müssen. Mitarbeiterführung und Mitarbeiterzufriedenheit sind in großen Teilen der Altenpflege Fremdwörter.

Burnout, Erkrankungen aber auch Desillusion führen bei den Mitarbeitern zum Berufsausstieg.

Es muss jetzt gehandelt werden!

Viele Bewohner werden aus Kostengründen schlecht ernährt.

Der Rohverpflegungssatz, also der Betrag, der einem Altenpflegeheimbewohner für alle Mahlzeiten und Getränke täglich zur Verfügung steht, beträgt in einigen Konzernen 2,65 €. Diesen Satz darf die Küchenleitung allerhöchstens verbrauchen. Bei Überschreitung dieser Tagespauschale für die Mahlzeiten muss sie mit Kündigung rechnen.

Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee, Abendbrot und Zwischenmahlzeit für 2,65 € am Tag – pro Bewohner! Dass damit keine vernünftige Ernährung stattfinden kann, die alle essentiellen Nahrungsbestandteile enthält, versteht sich von selbst.

Zum Vergleich: Selbst bei HarzIV beträgt der Satz pro Tag 4,85 €, und dieser Satz ist nachgewiesen schon zu niedrig für eine gesunde Ernährung.

Durch Nichteinstellung von Pflegepersonal, nicht einhalten der Fachkraftquote, unverschämt niedrige Löhne und Unterlassung von Fort und Weiterbildung werden die Personalkosten künstlich niedrig gehalten.

Wir als Angehörige und auch die Bewohner haben das Recht auf den ersten Blick zu erkennen, ob in der Einrichtung:

genug gut ausgebildetes und zufriedenes Personal

genug nahrhaftes und gesundes Essen

gute Pflegequalität

geboten wird, bevor wir den Heimvertrag unterschreiben!

Betrieblichen Kennzahlen machen solche Missstände sofort deutlich. Diese Kennzahlen liegen den Unternehmen vor, werden aber unter dem Deckmantel des „Betriebsgeheimnisses“ unter Verschluss gehalten. Das Handeln der Pflegeheimbetreiber muss endlich für die Öffentlichkeit transparent werden. Denn sie erwirtschaften ihre Gewinne über unsere Gelder aus Rentenversicherung, Kranken- und Pflegekassen.

Das muss nach der Corona-Krise anders werden!

Und dies zum Wohl aller Bürgerinnen und Bürger, auch mit Blick auf die kommende Babyboomer Generation.

Herr Minister, wir fordern Sie auf, den Missständen in der stationären Altenpflege endlich schnellstmöglich entgegenzuwirken, die

die Sicherheit der in den stationären Einrichtungen lebenden Senioren gefährden,

die ordnungsgemäße Durchführung der Pflegemaßnamen beeinträchtigen oder

erhebliche Nachteile für die Mitarbeiter oder Senioren nach sich ziehen.

Deshalb fordern wir:

1. Um die Bewohner zu schützen, muss jedes Fehlen von Personal einen sofortigen Aufnahmestopp zusätzlicher Bewohner (Belegungsstopp) in einer Einrichtung zur Folge haben, bis die Anzahl des Personals wieder dem Personalschlüssel entspricht.

2. Jedes Auftreten von Qualitätsmängeln in der Bewohnerversorgung muss einen sofortigen Aufnahmestopp zusätzlicher Bewohner (Belegungsstopp) zur Folge haben, bis nachgewiesene Maßnahmen zu einer dauerhaften Abhilfe bzw. Beseitigung der Qualitätsmängel geführt haben.

3. Um die Sicherheit der Bewohner in einem Pflegeheim zu überwachen und die Gesundheit der Pflegekräfte zu gewährleisten, fordern wir für jede Bürgerin und jeden Bürger öffentlich einsehbar deshalb die Meldepflicht und Veröffentlichung folgender Kennzahlen zu jedem Jahresabschluss:

  • Umsatzrendite in % (Wie viel Gewinn hat das Unternehmen erwirtschaftet?)
  • Täglicher Rohverpflegungssatz in € (Wie viele Euro werden pro Pflegeheimbewohner pro Tag für Essen ausgegeben?)
  • Personalkosten in % (Wird das Personal ordentlich bezahlt?)
  • Personalfort- und Weiterbildungskosten in % (Wird das Personal regelmäßig fortgebildet? Bekommt es die Möglichkeit, sich weiterzubilden?)
  • Fachkraftquote in % (Wird die 50% Fachkraftquote eingehalten?)
  • Personalschlüssel in Personal pro Bewohner (Wie viel Bewohner versorgt eine Pflegekraft zusätzlich zu ihren laufenden Aufgaben?)
  • Personalfluktuation in % ( Anzahl der Kündigungen und Neueinstellungen in dem Betriebsjahr: Wird auf Mitarbeiterzufriedenheit geachtet?)
  • Krankenstand in % (Wird auf die gesundheitliche Unversehrtheit des Personals geachtet?)
  • Anzahl der Überlastungsanzeigen (Werden Hilfeschreie der Mitarbeiter ernst genommen und dokumentiert?)
  • Anzahl der anlassbezogenen Heimaufsichts- und MDK Begehungen (Wie viele Beschwerden wegen Pflegefehler wurden erhoben?)
  • Angabe, ob es eine Mitarbeitervertretung bzw. einen Betriebsrat in der Einrichtung gibt.
  • Offenlegung der Beteiligungen an den Servicebetrieben, die die Pflegeeinrichtung versorgen.

Wir möchten sicher sein, dass wir für unsere Angehörigen oder auch uns ein gutes Heim gebucht haben oder an eins geraten sind, in dem der Duft frisch gebackener Kekse nur täuschend echt als Aromen aus der Steckdose kommt.

Es muss sich etwas grundlegend ändern, damit wir Babyboomer in einigen Jahren nicht in einem Pflegeheimzimmer in unserem Kot liegend verhungern müssen.

Teile die Petition ! Unterschreibe! Sei solidarisch! Gemeinsam sind wir stärker! Denn früher oder später wirst Du auch von der Pflege betroffen sein.

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